Baubericht Stellwerk Wutha – Teil 1 Vorbereitungen

Im Zuge meiner Recherchen zur Ruhlaer Eisenbahn, die vor ca. 15 Jahren begannen, bin ich auf ein Foto gestoßen, dass mich irgendwie besonders fasziniert hat.

Wie die enthaltene Betitelung verrät, handelt es sich um die Belegschaft der Königlichen Bahnmeisterei Wutha. Sie wurde vor dem recht repräsentativen Stellwerkgebäude Wutha Mitte (Wm) fotografiert. Im Hintergrund sieht man das Dach des Zwischenbahnsteiges. Die Diensträume der Bahnmeisterei dürften sich aus Platzgründen nicht oder nicht alle im Stellwerk befunden haben. Im Rücken des Fotografen gab es noch weitere einfache Gebäude.

Ob die Männer im wehrfähigen Alter froh um ihre Anstellung bei der Bahn waren und so nicht in den Krieg ziehen mussten?

Wie schon beim Schrankenposten Wutha entstand frühzeitig die Idee, das Fotomotiv als Diorama nachzubauen. Während der unten beschriebenen Vorbereitungen und Nachforschungen zeigte sich schnell die große Herausforderung, und so übte ich parallel mit dem Bau des Schrankenpostens.

Vom Stellwerk sind außer Fotos nichts mehr vorhanden, keine Fundamentreste, keine Maßzeichnungen, keine bekannten Zeitzeugen, die dort gearbeitet haben. Für einen maßstabsgerechten Nachbau musste ich also erstmal die Gebäudemaße ermitteln.

Gebäudemaße

Zum Glück bestand das Gebäude aus Ziegelmauerwerk, welches auf dem Foto gut zu erkennen ist. Mit den Ziegel- und Fugenmaßen müsste sich was berechnen lassen. Also habe ich mich intensiver mit dieser Art des Bauens beschäftigt.

Sehr hilfreich waren die Dokumente „Der Mauerziegel“ und „100 Jahre für den Ziegel“, die der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie unter https://www.ziegel.de/downloads bereitstellt.

Schnell war klar, es gab über die Zeiten und Regionen unterschiedliche Ziegelmaße. Leider ist das Erbauungsjahr des Stellwerkes nicht bekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass es etwa zu der Zeit errichtet wurde, als der Haltepunkt Wutha ausgebaut und zu einem Bahnhof hochgestuft wurde und mit der Nebenbahn nach Ruhla weiter an Bedeutung gewann. Das war um 1880. Und zu der Zeit oder etwas früher wurde das Empfangsgebäude gebaut und später noch etwas erweitert. Und – welch Freude – dieses steht noch.

Also bin ich hin und habe mir die Ziegelmaße ausgemessen.

Sie entsprechen mit der Breite 250mm, der Höhe 65mm und der Tiefe 120mm dem sogenannten „Reichsformat“ (später auch „altes Reichsformat“), welches spätestens ab 1872 bis nach dem II. Weltkrieg in preußisch beeinflussten Gebieten und deren Eisenbahnwesen das vorherrschende Ziegelsteinformat gewesen sein dürfte.

Zusätzlich spielen auch die Fugenbreite und der Aufbau der Fensterstürze, Türhöhen und weitere Details eine Rolle.

Mit den jetzt bekannten Maßen konnte ich mich ans Abzählen und Berechnen machen. Eine Exceltabelle half mir dabei:

Fotorecherche

Das oben gezeigte Foto konnte mir zwar einige wichtige Maße, vor allem zu den Stirnseiten, liefern, der Sockel und die Unterkante des Erdgeschosses sind aber verdeckt, das Dach ist auch nicht drauf und auf der Gebäudelängsseite löst es weiter hinten die senkrechten Ziegelfugen nicht mehr auf. Ich musste mich also auf die Suche nach weiteren brauchbaren Fotos machen, und das nahm sehr viel Zeit in Anspruch.

Das folgende Foto hier zum Beispiel zeigt als einziges die Längsseite. Es stammt aus einem Beitrag auf Drehscheibe-Online, zu dem ich auch meinen Senf dazugegeben habe. (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8020825,page=1)

Leider ist das Gebäude unscharf, aber für die Proportionen, für Berechnungen über Verhältnisgleichung und für die Dachneigungsbestimmung ist es dennoch nutzbar.

Der Ausschnitt rechts auf dem folgenden Bild stammt von einem versteigerten Foto mit einem ganz anderen Hauptmotiv, aber hier konnte ich die Maße des Erdgeschosses und der Tür bestimmen und der Sockel und die Eingangsstufen sind erkennbar.

Auf einem anderen Foto wiederum konnte ich die Struktur der Dachschindeln sehr gut erkennen.

Typenbau

Bei der Suche nach Fotos bin ich immer wieder auf Abbildungen anderer Stellwerke gestoßen, die zu „meinem“ hier sehr viele Ähnlichkeiten aufweisen. Dazu habe ich einen Beitrag auf der Drehscheibe verfasst (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8795334,8795334#msg-8795334)
Es handelt sich also um eine Art Typenbau, der jeweils an die lokalen Erfordernisse angepasst wurde. Faktoren können gewesen sein:
– Anzahl der Weichen und Signale > Länge der Hebelbank > Länge des Gebäudes
– Schneelastzone > Dachneigung
– Sichtachsen auf die Gleisanlagen > Anzahl und Anordnung der Fenster
Aus Zeichnungen, Fotos und Besichtigungen dieser „Geschwister“ konnte ich mir einige fehlende Informationen ableiten, insbesondere zum inneren Aufbau des Erdgeschosses.

Verbände

Wenn man sich mit Ziegelmauerwerk beschäftigt, fällt schnell auf, dass es ganz unterschiedliche Anordnungen der Ziegel, sogenannte „Verbände“, gibt. Eine sehr schöne Übersicht gibt es in dem oben erwähnten Dokument „Der Mauerziegel“. Neben der Bauepoche und regionalen Besonderheiten haben auch ganz banale Gründe der Statik den verwendeten Verband bestimmt. Bein den dickeren Wänden der Erdgeschosse wurden die Ziegel in unterschiedlichen Richtungen (längs, quer) und überlappend verlegt, so dass sie zusammen mit dem Mörtel einen sehr festen Verband bildeten. Im Falle dieses Stellwerkes ist es der sogenannte Kreuzverband. Damit waren die Wände mindestens 25cm dick.
Das Obergeschoss bestand aus Holzfachwerk, das mit Ziegeln ausgefacht wurde. Diese Ziegel liegen alle in der Längsrichtung, aber die Reihen überlappen sich. Bei diesem Läuferverband ist die Wand nur ca. 12cm dick. Daraus folgt: Wenn der Querschnitt der Fachwerk-Holzbalken quadratisch ist, dann haben sie eine Stärke von ca. 12cm. Sehr häufig kann man den Läuferverband auch bei Schuppen und Scheunen in Fachwerkbauweise sehen.
Während bei diesen Gebäudearten die geringen Wandstärke und damit auch die geringe Wärmedämmung völlig ausreichend war, so bedeutete es für dauerhaft besetzte/bewohnte und beheizte Räume, wie dem Stellwerksraum, erhebliche Wärmeverluste. Deshalb wurden bei diesem und vielen anderen Stellwerken ähnlicher Bauweise in den 70er oder 80er Jahren Außendämmungen angebracht, so dass das Fachwerk nicht mehr sichtbar war. (auf https://bf-w2.zielbahnhof.de/wutha.htm im Video sichtbar)

Darstellungszeitpunkt

Womit wir beim nächsten Thema sind: Da es an nahezu jedem Gebäude (der Eisenbahn) im Laufe der Jahrzehnte Veränderungen gab, muss man für sein Modell nach Vorbild festlegen, welchen Stand man darstellt. Entweder man richtet sich nach der Epoche der Anlage, dem Zeitpunkt des Motivs seines Dioramas oder man wählt eine bestimmte Darstellung, weil sie besonders ästhetisch ist oder einen sonstigen Zweck erfüllt.

In meinem Fall war es recht einfach. Die meiner Meinung nach schöne Variante mit dem Fachwerk passt sowohl zu der ursprünglichen Diorama-Idee als auch zu der Epoche der Anlage (Ep. III um 1960), auf der es später stehen soll. Es gab zwar eine Veränderung bei den Schornsteinen (von zwei schlanken zu einem dicken), aber die lässt sich nicht genau datieren, so dass ich hier die ästhetischere nehmen kann.

Farben

Ein weiteres Thema, dass mich sehr beschäftigt hat, ist die Ziegelfarbe. Je nach Herstellungszeit, Herstellungsverfahren und den Ausgangsmaterialien kann sie ganz unterschiedlich ausfallen. Da braucht man sich ja nur mal die Ziegelsteinbauten in der Umgebung anschauen. Hinzu kommt die Farbwirkung bei unterschiedlichem Tageslicht oder bei Sonnenschein. Auch die Fugenfarbe hat Auswirkungen auf das Gesamterscheinungsbild. Steht man näher dran, nimmt man die nuancenreichen Ziegelfarben eher wahr. Von weiter weg betrachtet – was der üblichen Betrachtung im Modellbau entspricht – „verschwimmen“ die Ziegelfarben mit der Fugenfarbe.
An dem noch vorhandenen Empfangsgebäude versuchte ich nun die „richtige“ Ziegelfarbe zu bestimmen. Da auf Grund des Herstellungsverfahrens fast jeder Ziegel einen leicht anderen Farbton hat, habe ich mit einer App und aus Fotos viele Farbwerte ermittelt und mit Hilfe von Excel gemittelt. Die Ergebnisse waren nicht wirklich überzeugend, zumal eine Farbe auf dem Bildschirm, auf einem Ausdruck und in echt in Ziegelton immer anders „wirkt“. Zwei oder drei annähernd stimmige Farbwerte habe ich dann mal mit den von mir favorisierten Acrylfarben (Vallejo) versucht, anzumischen, und auf die vorgesehenen Ziegelwandplatten aufgetragen. Diese habe ich dann an die Originale gehalten und war wieder ernüchtert.
Irgendwann kam mir dann der „rettende“ Gedanke: Im Laufe des Modellbaus und auch beim späteren Bau weiterer Gebäude müsste ich die Farbe mehrmals anmischen, was mir aber Mangels genauer Dosierung nicht gelingen wird. Also verabschiedete ich mich von der Suche nach der idealen Farbe und wählte aus der Farbpallette diejenige fertige Farbmischung, die zu meinen gemittelten Farbwerten am besten passt. Es wurde „Orange Brown“ von Vallejo (70.981). Zusammen mit der Fugenfarbe (Ivory, 70.918) und mit ähnlichen Orange-Rot-Tönen bemalten Einzelziegeln und Ziegelgruppen wird der spätere Modellbetrachter die Farbgestaltung hoffentlich akzeptieren.

Dach

Mindestens genauso wichtig wie die realitätsnahe Darstellung der Wände ist die des Daches oder der Dächer. Während man beim Original i.d.R. das Dach nur von unten sieht und Details darauf gar nicht so beachtet oder überhaupt erkennt, so ist beim Modell das Dach häufig das erste, was ins Auge fällt. Bei einem Original-Nachbau sollten also die Dachneigung, die Dachstruktur, der Dachbelag und weitere Details, wie Schornsteine und Schneefänge, stimmig sein.

Die Dachneigung orientiert sich an Grundfläche und Form, der maximalen Schneelasten, mitunter regionaler Besonderheiten und ggf. an der Nutzung des Dachraumes. Bei Typenbau-Geschwistern kommen sowohl 45 Grad Dachneigungen als auch flache Pultdächer vor. Für „mein“ Stellwerk konnte ich final aus den Fotos die Dachneigungen von 30 Grad beim Hauptschiff und 45 Grad für die Mittelgiebel ermitteln.

Auf diesem Foto kann man beim Heranzoomen sehr gut den Dachbelag des Wuthaer Stellwerkes erkennen. (Es ist nebenbei der Beweis, dass Produktes des Saatgutmaschinenbauers Petkus Wutha in alles Welt geliefert wurden. Valparaiso ist eine Stadt in Chile)

Durch Vergleich mit den Informationen auf https://www.rathscheck.de/produkte-technik/deckarten/  bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Dach mit Schiefer-Schindeln in den Maßen 200mm mal 200mm in der Waben-Deckung belegt ist (https://www.rathscheck.de/anwenden-und-verlegen/deckarten/waben-deckung/).

Die Schneefänge scheinen aus einfachen Brettern zu bestehen, die von Winkeleisen gehalten werden. Später wurden sie durch Gitter ersetzt.

Fenster

Wesentlich zum Aussehen eines Gebäudes tragen die Fenster bei. Deren annähernd originalgetreue Nachbildung im Modell ist ab den mittleren Maßstäben eine besondere Herausforderung. Auf Grund der hohen Vielfalt in Formen, Größen und Funktionen dürfte es nahezu unmöglich sein, passende Fertigprodukte zu finden. Um ein geeignetes Herstellungsverfahren zu finden, sollte man sich genau mit den Maßen, der Bauart und dem Aufbau der Fenster an seinem Vorbild beschäftigen. Weitere Details rund um die Fenster, wie die Fensterstürze, die Fensterbänke und ggf. Fensterläden sind abzuklären. Aber auch ihre Positionen in den Fassaden sind für das Gesamtbild von Bedeutung. Im Fall des Stellwerkes Wutha wurden sie z.B. streng symmetrisch angeordnet, auch wenn es nicht immer zur „Inneneinrichtung“ passte (Treppe verdeckt Großteil der Fensterfläche).

Im Fall des Stellwerkes Wutha handelt es sich bei den Fenstern im Erdgeschoss von der Bauart um Industriefenster, deren feine Stege aus Eisen-T-Profilen bestehen, in die die Glasscheiben eingelegt und mit Fensterkitt befestigt wurden. (Das lässt sich so in H0 nicht nachbauen, sodass ich nach anderen Bastel-Methoden für filigranste Fensterstege recherchieren musste. Am Ende wurde es die Ritz-Methode, aber dazu mehr in Teil 2.)
Die Fenster im Obergeschoss sind Holzfenster, die aber ebenfalls sehr filigran sind. Der Haupt-Fensterteil (Unterlicht) unter dem Kämpfer (waagerechter Trennbalken) lässt sich zweiflügelig öffnen, das Oberlicht ebenso. Daraus ergeben sich unterschiedliche Holzleistenstärken. Das einigermaßen maßstabsgerecht nachzubilden, dürfte schwierig werden. Vielleicht mit neuester hochauflösender 3D-Druck-Technik (?). Zum Glück sind die Augen und das Gehirn der Betrachter von Modellen diesbezüglich recht tolerant. Hauptsache, die Struktur der Fenster passt und die Proportionen sind nicht ganz daneben.

Ganz ähnlich zu den Fenstern verhält es sich bei den Türen. Je nach Epoche und Baustil können die ganz unterschiedlich aussehen. Im hiesigen Falle sind es recht aufwändige Holz-Kassettentüren.

Sockel

Was gerne mal vergessen wird, sind die sichtbaren Teile des Sockels eines Gebäudes. Bis in die 1950er Jahre wurden sie meist aus Naturstein errichtet und waren i.d.R. dicker als das Mauerwerk darüber. Die Natursteine stammten meist aus Steinbrüchen der Gegend, so dass es hier regionale Unterschiede gibt. In späteren Jahren dann waren die Sockel und die Wände aus den gleichen modernen Wandbaustoffen, nur die Sockelputze oder Natursteinplatten sorgten für eine farbliche Abhebung.

Beim Stellwerk Wm war der Sockel aus grau-blauem bis gelblichem Muschelkalk, wenn er dem vom Empfangsgebäude entsprach. Der Überstand wurde mit einer Reihe angefaster Ziegel vor dem an der Wand herunterlaufenden Wassers geschützt und optisch ausgeglichen.

Pappmodell

Alle meine gewonnenen Erkenntnisse über Maße, Proportionen und Dachformen wollte ich als erstes Mal in einer Konstruktionszeichnung festhalten und einem daraus gebastelten Pappmodell überprüfen. Ich probierte einige mir zugängliche Vektorgrafik- und Konstruktionsprogramme aus und fand das Visio von Microsoft am besten geeignet, insbesondere weil ich hier maßstäblich zeichnen und recht einfach bemaßen konnte. Dennoch gingen einige Wochen ins Land, bis ich alles gezeichnet und daraus dann noch einen Bastelschnittbogen erzeugt hatte. (Die Entscheidung zur Ziegelfarbe war hier noch nicht gefallen.)

zum Bild oben: Im Vordergrund die Varianten mit 45-Grad-Dachneigung, die zeigte, dass das Hauptschiff keine 45 Grad haben kann.

zum Bild oben: Test der Proportionen zu Lok und Figuren

Lasercut-Modell

Parallel zum Bau des Pappmodells habe ich Kontakt zu einem Architektur-Modellbauer und Lasercut-Experten bekommen. Er hat mit angeboten, das Modell in einen Lasercut-Bausatz umzusetzen und wollte diesen in seinem Shop anbieten. Da keimte in mir Hoffnung auf eine zügige Realisierung gleich mehrerer Modelle des Stellwerkes. Der Prototyp auf Basis meiner Zeichnungen sah schon beeindruckend aus, war aber noch im Maßstab 1:100 und mit 45-Grad-Dach.

Auch ein paar konstruktive und optische Probleme im Zusammenhang mit dem Lasercut-Material zeigte er auf, aber sie wären vermutlich lösbar gewesen. Doch plötzlich hatte mein Kontakt keine Lust und Zeit mehr, irgendwelche Anpassungen vorzunehmen. Mehrere Gespräche und auch finanzielle Unterstützungsangebote führten nicht weiter. Das war dann leider eine Sackgasse.

Inneneinrichtung

Ob man die Inneneinrichtung von Modellgebäuden komplett, zum Teil oder nur andeutungsweise darstellt, ist i.d.R. Entscheidung des jeweiligen Modellbauers. Bei Gebäuden mit großen und/oder vielen Fenstern und bei denen Vorhänge und Gardinen eher unüblich sind, wie z.B. einem Stellwerk, ist es Modellbauer-Ehre oder unumgänglich, wenigstens ein paar passende Objekte im Inneren zu platzieren.
Von dem Inneren des Stellwerkes Wutha sind mir wieder mal keine Fotos oder Zeichnungen bekannt.

Wobei „keine“ stimmt nicht ganz. Das folgende Foto zeigt den Morsetisch mit Apparat und einem Angestellten. Wenn man das ansatzweise im Hintergrund erkennbare Form-Vorsignal als Orientierung nimmt, dann muss er am östlichen Ende des Obergeschosses gestanden haben. Auf anderen Außenansichten kann man erkennen, dass der Morse- und Fernsprechraum mit einer Trennwand aus Glasfenstern und einer Glastür abgeteilt war.

Weitere Detail zur Inneneinrichtung konnte ich aus den Fotos nicht ableiten, nicht mal die Position des Treppenaufgangs. So blieb mir nur die Möglichkeit, aus allen mir vorliegenden Fotos, Zeichnungen und Informationen von ähnlichen und anderen Stellwerken die wahrscheinlichste Aufteilung abzuleiten.

Was man soll alles in einem Stellwerk unterbringen muss, kann man z.B. hier gut nachlesen: https://eisenbahnwesens.de-academic.com/2492/Stellwerkhaus

Vom „Geschwister“-Stellwerk in Sondershausen gibt es im Internet Fotos vom Stellwerksraum und sogar ein 360-Grad-Foto vom Spannwerksraum: http://www.360grad-fotos.de/files/maniax/rundgang/sondershausen2019/februar/

Vom Lost-Place-Stellwerk in Vacha konnte ich mit das Untergeschoss ansehen und von anderen ähnlichen Stellwerken gibt es Bau- und Grundrisszeichnungen.

Und natürlich helfen auch die Stellwerksverzeichnisse (https://stellwerke.info, https://stellwerke.bahnbauten.de) und Internetseiten über Stellwerktechnik (http://www.stellwerke.de) bei der Recherche.

Das zentrale Objekt im gut einsehbaren Obergeschoss ist das eigentliche Stellwerk. Für Wm um 1960 ermittelte ich ein mechanisches Hebelstellwerk der Bauart Jüdel als am wahrscheinlichsten. Nach Analyse des Gleisplans von 1961 mit seinen Fahrstraßen, Flüge- und Vorsignalen, Weichen und Gleissperren komme ich auf 26 Hebel plus Blockkasten, da es ein zweites kleines Stellwerk (Wo) gab. Eine Hebelbank von mindestens 6 Metern Länge ist also einzuplanen.

Als weitere Einrichtungsgegenstände plane ich einen Dienstschreibtisch mit Telefon, ein paar Schränke, einen kleinen Esstisch, zwei Kohleofen, eine Uhr und Grünpflanzen ein. Das Morsewerk darzustellen, wäre zwar eine schöne Herausforderung, passt aber nicht mehr in die Epoche.

Im Untergeschoss nimmt das Spannwerk den größten Raum ein. Ich kann es mit nicht verkneifen, das darzustellen, obwohl es von außen kaum sichtbar sein wird. Dann mache ich eben das Obergeschoss abnehmbar. Mal schauen, ob mir das gelingt.
Mindestens eine Toilette muss es laut Bildmaterial ebenfalls im Untergeschoss gegeben haben. Und da ich annehme, dass die Bahnmeisterei für Material, Werkzeug und Laternen den nebenstehenden Schuppen nutzte, habe ich noch ein kleines Dienstzimmer für deren Chef neben dem Spannwerksraum vorgesehen. Im Vorraum zum Treppenaufgang werden Kleiderspinte aufgestellt.

Im Teil 2 meines Bauberichts könnt ihr dann lesen, wie das Erdgeschoss entstanden ist.