Baubericht Stellwerk Wutha – Teil 1 Vorbereitungen

Im Zuge meiner Recherchen zur Ruhlaer Eisenbahn, die vor ca. 15 Jahren begannen, bin ich auf ein Foto gestoßen, dass mich irgendwie besonders fasziniert hat.

Wie die enthaltene Betitelung verrät, handelt es sich um die Belegschaft der Königlichen Bahnmeisterei Wutha. Sie wurde vor dem recht repräsentativen Stellwerkgebäude Wutha Mitte (Wm) fotografiert. Im Hintergrund sieht man das Dach des Zwischenbahnsteiges. Die Diensträume der Bahnmeisterei dürften sich aus Platzgründen nicht oder nicht alle im Stellwerk befunden haben. Im Rücken des Fotografen gab es noch weitere einfache Gebäude.

Ob die Männer im wehrfähigen Alter froh um ihre Anstellung bei der Bahn waren und so nicht in den Krieg ziehen mussten?

Wie schon beim Schrankenposten Wutha entstand frühzeitig die Idee, das Fotomotiv als Diorama nachzubauen. Während der unten beschriebenen Vorbereitungen und Nachforschungen zeigte sich schnell die große Herausforderung, und so übte ich parallel mit dem Bau des Schrankenpostens.

Vom Stellwerk sind außer Fotos nichts mehr vorhanden, keine Fundamentreste, keine Maßzeichnungen, keine bekannten Zeitzeugen, die dort gearbeitet haben. Für einen maßstabsgerechten Nachbau musste ich also erstmal die Gebäudemaße ermitteln.

Gebäudemaße

Zum Glück bestand das Gebäude aus Ziegelmauerwerk, welches auf dem Foto gut zu erkennen ist. Mit den Ziegel- und Fugenmaßen müsste sich was berechnen lassen. Also habe ich mich intensiver mit dieser Art des Bauens beschäftigt.

Sehr hilfreich waren die Dokumente „Der Mauerziegel“ und „100 Jahre für den Ziegel“, die der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie unter https://www.ziegel.de/downloads bereitstellt.

Schnell war klar, es gab über die Zeiten und Regionen unterschiedliche Ziegelmaße. Leider ist das Erbauungsjahr des Stellwerkes nicht bekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass es etwa zu der Zeit errichtet wurde, als der Haltepunkt Wutha ausgebaut und zu einem Bahnhof hochgestuft wurde und mit der Nebenbahn nach Ruhla weiter an Bedeutung gewann. Das war um 1880. Und zu der Zeit oder etwas früher wurde das Empfangsgebäude gebaut und später noch etwas erweitert. Und – welch Freude – dieses steht noch.

Also bin ich hin und habe mir die Ziegelmaße ausgemessen.

Sie entsprechen mit der Breite 250mm, der Höhe 65mm und der Tiefe 120mm dem sogenannten „Reichsformat“ (später auch „altes Reichsformat“), welches spätestens ab 1872 bis nach dem II. Weltkrieg in preußisch beeinflussten Gebieten und deren Eisenbahnwesen das vorherrschende Ziegelsteinformat gewesen sein dürfte.

Zusätzlich spielen auch die Fugenbreite und der Aufbau der Fensterstürze, Türhöhen und weitere Details eine Rolle.

Mit den jetzt bekannten Maßen konnte ich mich ans Abzählen und Berechnen machen. Eine Exceltabelle half mir dabei:

Fotorecherche

Das oben gezeigte Foto konnte mir zwar einige wichtige Maße, vor allem zu den Stirnseiten, liefern, der Sockel und die Unterkante des Erdgeschosses sind aber verdeckt, das Dach ist auch nicht drauf und auf der Gebäudelängsseite löst es weiter hinten die senkrechten Ziegelfugen nicht mehr auf. Ich musste mich also auf die Suche nach weiteren brauchbaren Fotos machen, und das nahm sehr viel Zeit in Anspruch.

Das folgende Foto hier zum Beispiel zeigt als einziges die Längsseite. Es stammt aus einem Beitrag auf Drehscheibe-Online, zu dem ich auch meinen Senf dazugegeben habe. (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8020825,page=1)

Leider ist das Gebäude unscharf, aber für die Proportionen, für Berechnungen über Verhältnisgleichung und für die Dachneigungsbestimmung ist es dennoch nutzbar.

Der Ausschnitt rechts auf dem folgenden Bild stammt von einem versteigerten Foto mit einem ganz anderen Hauptmotiv, aber hier konnte ich die Maße des Erdgeschosses und der Tür bestimmen und der Sockel und die Eingangsstufen sind erkennbar.

Auf einem anderen Foto wiederum konnte ich die Struktur der Dachschindeln sehr gut erkennen.

Typenbau

Bei der Suche nach Fotos bin ich immer wieder auf Abbildungen anderer Stellwerke gestoßen, die zu „meinem“ hier sehr viele Ähnlichkeiten aufweisen. Dazu habe ich einen Beitrag auf der Drehscheibe verfasst (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8795334,8795334#msg-8795334)
Es handelt sich also um eine Art Typenbau, der jeweils an die lokalen Erfordernisse angepasst wurde. Faktoren können gewesen sein:
– Anzahl der Weichen und Signale > Länge der Hebelbank > Länge des Gebäudes
– Schneelastzone > Dachneigung
– Sichtachsen auf die Gleisanlagen > Anzahl und Anordnung der Fenster
Aus Zeichnungen, Fotos und Besichtigungen dieser „Geschwister“ konnte ich mir einige fehlende Informationen ableiten, insbesondere zum inneren Aufbau des Erdgeschosses.

Verbände

Wenn man sich mit Ziegelmauerwerk beschäftigt, fällt schnell auf, dass es ganz unterschiedliche Anordnungen der Ziegel, sogenannte „Verbände“, gibt. Eine sehr schöne Übersicht gibt es in dem oben erwähnten Dokument „Der Mauerziegel“. Neben der Bauepoche und regionalen Besonderheiten haben auch ganz banale Gründe der Statik den verwendeten Verband bestimmt. Bein den dickeren Wänden der Erdgeschosse wurden die Ziegel in unterschiedlichen Richtungen (längs, quer) und überlappend verlegt, so dass sie zusammen mit dem Mörtel einen sehr festen Verband bildeten. Im Falle dieses Stellwerkes ist es der sogenannte Kreuzverband. Damit waren die Wände mindestens 25cm dick.
Das Obergeschoss bestand aus Holzfachwerk, das mit Ziegeln ausgefacht wurde. Diese Ziegel liegen alle in der Längsrichtung, aber die Reihen überlappen sich. Bei diesem Läuferverband ist die Wand nur ca. 12cm dick. Daraus folgt: Wenn der Querschnitt der Fachwerk-Holzbalken quadratisch ist, dann haben sie eine Stärke von ca. 12cm. Sehr häufig kann man den Läuferverband auch bei Schuppen und Scheunen in Fachwerkbauweise sehen.
Während bei diesen Gebäudearten die geringen Wandstärke und damit auch die geringe Wärmedämmung völlig ausreichend war, so bedeutete es für dauerhaft besetzte/bewohnte und beheizte Räume, wie dem Stellwerksraum, erhebliche Wärmeverluste. Deshalb wurden bei diesem und vielen anderen Stellwerken ähnlicher Bauweise in den 70er oder 80er Jahren Außendämmungen angebracht, so dass das Fachwerk nicht mehr sichtbar war. (auf https://bf-w2.zielbahnhof.de/wutha.htm im Video sichtbar)

Darstellungszeitpunkt

Womit wir beim nächsten Thema sind: Da es an nahezu jedem Gebäude (der Eisenbahn) im Laufe der Jahrzehnte Veränderungen gab, muss man für sein Modell nach Vorbild festlegen, welchen Stand man darstellt. Entweder man richtet sich nach der Epoche der Anlage, dem Zeitpunkt des Motivs seines Dioramas oder man wählt eine bestimmte Darstellung, weil sie besonders ästhetisch ist oder einen sonstigen Zweck erfüllt.

In meinem Fall war es recht einfach. Die meiner Meinung nach schöne Variante mit dem Fachwerk passt sowohl zu der ursprünglichen Diorama-Idee als auch zu der Epoche der Anlage (Ep. III um 1960), auf der es später stehen soll. Es gab zwar eine Veränderung bei den Schornsteinen (von zwei schlanken zu einem dicken), aber die lässt sich nicht genau datieren, so dass ich hier die ästhetischere nehmen kann.

Farben

Ein weiteres Thema, dass mich sehr beschäftigt hat, ist die Ziegelfarbe. Je nach Herstellungszeit, Herstellungsverfahren und den Ausgangsmaterialien kann sie ganz unterschiedlich ausfallen. Da braucht man sich ja nur mal die Ziegelsteinbauten in der Umgebung anschauen. Hinzu kommt die Farbwirkung bei unterschiedlichem Tageslicht oder bei Sonnenschein. Auch die Fugenfarbe hat Auswirkungen auf das Gesamterscheinungsbild. Steht man näher dran, nimmt man die nuancenreichen Ziegelfarben eher wahr. Von weiter weg betrachtet – was der üblichen Betrachtung im Modellbau entspricht – „verschwimmen“ die Ziegelfarben mit der Fugenfarbe.
An dem noch vorhandenen Empfangsgebäude versuchte ich nun die „richtige“ Ziegelfarbe zu bestimmen. Da auf Grund des Herstellungsverfahrens fast jeder Ziegel einen leicht anderen Farbton hat, habe ich mit einer App und aus Fotos viele Farbwerte ermittelt und mit Hilfe von Excel gemittelt. Die Ergebnisse waren nicht wirklich überzeugend, zumal eine Farbe auf dem Bildschirm, auf einem Ausdruck und in echt in Ziegelton immer anders „wirkt“. Zwei oder drei annähernd stimmige Farbwerte habe ich dann mal mit den von mir favorisierten Acrylfarben (Vallejo) versucht, anzumischen, und auf die vorgesehenen Ziegelwandplatten aufgetragen. Diese habe ich dann an die Originale gehalten und war wieder ernüchtert.
Irgendwann kam mir dann der „rettende“ Gedanke: Im Laufe des Modellbaus und auch beim späteren Bau weiterer Gebäude müsste ich die Farbe mehrmals anmischen, was mir aber Mangels genauer Dosierung nicht gelingen wird. Also verabschiedete ich mich von der Suche nach der idealen Farbe und wählte aus der Farbpallette diejenige fertige Farbmischung, die zu meinen gemittelten Farbwerten am besten passt. Es wurde „Orange Brown“ von Vallejo (70.981). Zusammen mit der Fugenfarbe (Ivory, 70.918) und mit ähnlichen Orange-Rot-Tönen bemalten Einzelziegeln und Ziegelgruppen wird der spätere Modellbetrachter die Farbgestaltung hoffentlich akzeptieren.

Dach

Mindestens genauso wichtig wie die realitätsnahe Darstellung der Wände ist die des Daches oder der Dächer. Während man beim Original i.d.R. das Dach nur von unten sieht und Details darauf gar nicht so beachtet oder überhaupt erkennt, so ist beim Modell das Dach häufig das erste, was ins Auge fällt. Bei einem Original-Nachbau sollten also die Dachneigung, die Dachstruktur, der Dachbelag und weitere Details, wie Schornsteine und Schneefänge, stimmig sein.

Die Dachneigung orientiert sich an Grundfläche und Form, der maximalen Schneelasten, mitunter regionaler Besonderheiten und ggf. an der Nutzung des Dachraumes. Bei Typenbau-Geschwistern kommen sowohl 45 Grad Dachneigungen als auch flache Pultdächer vor. Für „mein“ Stellwerk konnte ich final aus den Fotos die Dachneigungen von 30 Grad beim Hauptschiff und 45 Grad für die Mittelgiebel ermitteln.

Auf diesem Foto kann man beim Heranzoomen sehr gut den Dachbelag des Wuthaer Stellwerkes erkennen. (Es ist nebenbei der Beweis, dass Produktes des Saatgutmaschinenbauers Petkus Wutha in alles Welt geliefert wurden. Valparaiso ist eine Stadt in Chile)

Durch Vergleich mit den Informationen auf https://www.rathscheck.de/produkte-technik/deckarten/  bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Dach mit Schiefer-Schindeln in den Maßen 200mm mal 200mm in der Waben-Deckung belegt ist (https://www.rathscheck.de/anwenden-und-verlegen/deckarten/waben-deckung/).

Die Schneefänge scheinen aus einfachen Brettern zu bestehen, die von Winkeleisen gehalten werden. Später wurden sie durch Gitter ersetzt.

Fenster

Wesentlich zum Aussehen eines Gebäudes tragen die Fenster bei. Deren annähernd originalgetreue Nachbildung im Modell ist ab den mittleren Maßstäben eine besondere Herausforderung. Auf Grund der hohen Vielfalt in Formen, Größen und Funktionen dürfte es nahezu unmöglich sein, passende Fertigprodukte zu finden. Um ein geeignetes Herstellungsverfahren zu finden, sollte man sich genau mit den Maßen, der Bauart und dem Aufbau der Fenster an seinem Vorbild beschäftigen. Weitere Details rund um die Fenster, wie die Fensterstürze, die Fensterbänke und ggf. Fensterläden sind abzuklären. Aber auch ihre Positionen in den Fassaden sind für das Gesamtbild von Bedeutung. Im Fall des Stellwerkes Wutha wurden sie z.B. streng symmetrisch angeordnet, auch wenn es nicht immer zur „Inneneinrichtung“ passte (Treppe verdeckt Großteil der Fensterfläche).

Im Fall des Stellwerkes Wutha handelt es sich bei den Fenstern im Erdgeschoss von der Bauart um Industriefenster, deren feine Stege aus Eisen-T-Profilen bestehen, in die die Glasscheiben eingelegt und mit Fensterkitt befestigt wurden. (Das lässt sich so in H0 nicht nachbauen, sodass ich nach anderen Bastel-Methoden für filigranste Fensterstege recherchieren musste. Am Ende wurde es die Ritz-Methode, aber dazu mehr in Teil 2.)
Die Fenster im Obergeschoss sind Holzfenster, die aber ebenfalls sehr filigran sind. Der Haupt-Fensterteil (Unterlicht) unter dem Kämpfer (waagerechter Trennbalken) lässt sich zweiflügelig öffnen, das Oberlicht ebenso. Daraus ergeben sich unterschiedliche Holzleistenstärken. Das einigermaßen maßstabsgerecht nachzubilden, dürfte schwierig werden. Vielleicht mit neuester hochauflösender 3D-Druck-Technik (?). Zum Glück sind die Augen und das Gehirn der Betrachter von Modellen diesbezüglich recht tolerant. Hauptsache, die Struktur der Fenster passt und die Proportionen sind nicht ganz daneben.

Ganz ähnlich zu den Fenstern verhält es sich bei den Türen. Je nach Epoche und Baustil können die ganz unterschiedlich aussehen. Im hiesigen Falle sind es recht aufwändige Holz-Kassettentüren.

Sockel

Was gerne mal vergessen wird, sind die sichtbaren Teile des Sockels eines Gebäudes. Bis in die 1950er Jahre wurden sie meist aus Naturstein errichtet und waren i.d.R. dicker als das Mauerwerk darüber. Die Natursteine stammten meist aus Steinbrüchen der Gegend, so dass es hier regionale Unterschiede gibt. In späteren Jahren dann waren die Sockel und die Wände aus den gleichen modernen Wandbaustoffen, nur die Sockelputze oder Natursteinplatten sorgten für eine farbliche Abhebung.

Beim Stellwerk Wm war der Sockel aus grau-blauem bis gelblichem Muschelkalk, wenn er dem vom Empfangsgebäude entsprach. Der Überstand wurde mit einer Reihe angefaster Ziegel vor dem an der Wand herunterlaufenden Wassers geschützt und optisch ausgeglichen.

Pappmodell

Alle meine gewonnenen Erkenntnisse über Maße, Proportionen und Dachformen wollte ich als erstes Mal in einer Konstruktionszeichnung festhalten und einem daraus gebastelten Pappmodell überprüfen. Ich probierte einige mir zugängliche Vektorgrafik- und Konstruktionsprogramme aus und fand das Visio von Microsoft am besten geeignet, insbesondere weil ich hier maßstäblich zeichnen und recht einfach bemaßen konnte. Dennoch gingen einige Wochen ins Land, bis ich alles gezeichnet und daraus dann noch einen Bastelschnittbogen erzeugt hatte. (Die Entscheidung zur Ziegelfarbe war hier noch nicht gefallen.)

zum Bild oben: Im Vordergrund die Varianten mit 45-Grad-Dachneigung, die zeigte, dass das Hauptschiff keine 45 Grad haben kann.

zum Bild oben: Test der Proportionen zu Lok und Figuren

Lasercut-Modell

Parallel zum Bau des Pappmodells habe ich Kontakt zu einem Architektur-Modellbauer und Lasercut-Experten bekommen. Er hat mit angeboten, das Modell in einen Lasercut-Bausatz umzusetzen und wollte diesen in seinem Shop anbieten. Da keimte in mir Hoffnung auf eine zügige Realisierung gleich mehrerer Modelle des Stellwerkes. Der Prototyp auf Basis meiner Zeichnungen sah schon beeindruckend aus, war aber noch im Maßstab 1:100 und mit 45-Grad-Dach.

Auch ein paar konstruktive und optische Probleme im Zusammenhang mit dem Lasercut-Material zeigte er auf, aber sie wären vermutlich lösbar gewesen. Doch plötzlich hatte mein Kontakt keine Lust und Zeit mehr, irgendwelche Anpassungen vorzunehmen. Mehrere Gespräche und auch finanzielle Unterstützungsangebote führten nicht weiter. Das war dann leider eine Sackgasse.

Inneneinrichtung

Ob man die Inneneinrichtung von Modellgebäuden komplett, zum Teil oder nur andeutungsweise darstellt, ist i.d.R. Entscheidung des jeweiligen Modellbauers. Bei Gebäuden mit großen und/oder vielen Fenstern und bei denen Vorhänge und Gardinen eher unüblich sind, wie z.B. einem Stellwerk, ist es Modellbauer-Ehre oder unumgänglich, wenigstens ein paar passende Objekte im Inneren zu platzieren.
Von dem Inneren des Stellwerkes Wutha sind mir wieder mal keine Fotos oder Zeichnungen bekannt.

Wobei „keine“ stimmt nicht ganz. Das folgende Foto zeigt den Morsetisch mit Apparat und einem Angestellten. Wenn man das ansatzweise im Hintergrund erkennbare Form-Vorsignal als Orientierung nimmt, dann muss er am östlichen Ende des Obergeschosses gestanden haben. Auf anderen Außenansichten kann man erkennen, dass der Morse- und Fernsprechraum mit einer Trennwand aus Glasfenstern und einer Glastür abgeteilt war.

Weitere Detail zur Inneneinrichtung konnte ich aus den Fotos nicht ableiten, nicht mal die Position des Treppenaufgangs. So blieb mir nur die Möglichkeit, aus allen mir vorliegenden Fotos, Zeichnungen und Informationen von ähnlichen und anderen Stellwerken die wahrscheinlichste Aufteilung abzuleiten.

Was man soll alles in einem Stellwerk unterbringen muss, kann man z.B. hier gut nachlesen: https://eisenbahnwesens.de-academic.com/2492/Stellwerkhaus

Vom „Geschwister“-Stellwerk in Sondershausen gibt es im Internet Fotos vom Stellwerksraum und sogar ein 360-Grad-Foto vom Spannwerksraum: http://www.360grad-fotos.de/files/maniax/rundgang/sondershausen2019/februar/

Vom Lost-Place-Stellwerk in Vacha konnte ich mit das Untergeschoss ansehen und von anderen ähnlichen Stellwerken gibt es Bau- und Grundrisszeichnungen.

Und natürlich helfen auch die Stellwerksverzeichnisse (https://stellwerke.info, https://stellwerke.bahnbauten.de) und Internetseiten über Stellwerktechnik (http://www.stellwerke.de) bei der Recherche.

Das zentrale Objekt im gut einsehbaren Obergeschoss ist das eigentliche Stellwerk. Für Wm um 1960 ermittelte ich ein mechanisches Hebelstellwerk der Bauart Jüdel als am wahrscheinlichsten. Nach Analyse des Gleisplans von 1961 mit seinen Fahrstraßen, Flüge- und Vorsignalen, Weichen und Gleissperren komme ich auf 26 Hebel plus Blockkasten, da es ein zweites kleines Stellwerk (Wo) gab. Eine Hebelbank von mindestens 6 Metern Länge ist also einzuplanen.

Als weitere Einrichtungsgegenstände plane ich einen Dienstschreibtisch mit Telefon, ein paar Schränke, einen kleinen Esstisch, zwei Kohleofen, eine Uhr und Grünpflanzen ein. Das Morsewerk darzustellen, wäre zwar eine schöne Herausforderung, passt aber nicht mehr in die Epoche.

Im Untergeschoss nimmt das Spannwerk den größten Raum ein. Ich kann es mit nicht verkneifen, das darzustellen, obwohl es von außen kaum sichtbar sein wird. Dann mache ich eben das Obergeschoss abnehmbar. Mal schauen, ob mir das gelingt.
Mindestens eine Toilette muss es laut Bildmaterial ebenfalls im Untergeschoss gegeben haben. Und da ich annehme, dass die Bahnmeisterei für Material, Werkzeug und Laternen den nebenstehenden Schuppen nutzte, habe ich noch ein kleines Dienstzimmer für deren Chef neben dem Spannwerksraum vorgesehen. Im Vorraum zum Treppenaufgang werden Kleiderspinte aufgestellt.

Im Teil 2 meines Bauberichts könnt ihr dann lesen, wie das Erdgeschoss entstanden ist.

Gartenland am Schrankenposten

Wie bereits in meinem Betrag „Der Schrankenposten vom Bahnhof Wutha“ angekündigt, habe ich mich in der Bastelsaison Herbst/Winter 2023/2024 mit dem Gartenland neben dem Posten befassen können.

Bauliche Grundlage bilden zwei dünne übereinander geklebte Styrodur-Platten, die auf die Gegebenheiten auf der Zielanlage der IG Modellbahn Eisenach zugeschnitten wurden. Für ein leichtes Gefälle zu einer Ecke hin kam eine Feile zu Einsatz.

Damit das Gartenland nicht nur mit Anbaufläche „langweilt“, habe ich mich für eine etwas aufwändigere Kompostierungsanlage entschieden. Die ist zwar fotografisch nicht belegt, aber meiner Meinung nach durchaus möglich.

Die Ziegelmauern, die von H- bzw. Doppel-T-Trägern gestützt werden, habe ich mir an einem Vorbild im Heimatort abgeschaut. Die Mauerwerksplatte ist von Schulcz Modellmaterial. Gedoppelt an den Rückseiten zusammengeklebt passt die Mauerstärke. Die Fugen auf der Oberseite mussten natürlich nachgeritzt werden.

Die farbliche Behandlung erfolgte mehrschichtig: Grundierung mit Vallejo Surface Primer; Fugenfarbe flächig auftragen und nach wenigen Sekunden Antrocknen mit einem Taschentuch diagonal wieder abwischen; einzelne Ziegel mit einem sehr feinen Pinsel (z.B. Rotmarder Pinsel Größe 10/0) in verschiedenen Farben (z.B. Fire Red, Light Brown, Mahogany Brown, Mud Brown und sogar Sunny Skin Tone) bemalen; mit Vallejo Matt Varnish in mehreren Schichten den Kunststoffglanz reduzieren und die Farben versiegeln.

Für die Nachbildung der H- bzw. Doppel-T-Träger hätte ich vielleicht doch Profile von Evergreen suchen sollen, aber ich versuchte es mit vorhandenen Strips, die ich farblich behandelt aufwändig auf die Mauerstirnseiten klebte.

Kommen wir zu den Komposthaufen. Die Idee war, zwei unterschiedliche Zersetzungsstufen darzustellen. Vor den heutigen Schnellkompostern waren zwei Haufen nicht unüblich, wenn genug Material angefallen ist. Das Innere der Haufen besteht aus zurechtgeschnitzten Styrodurwürfeln. Der Schüttwinkel sollte nicht mehr als 45° betragen. Oben flacht der Haufen ab, unten kann er etwas flacher ausrollen. Soll der Haufen, wie hier, an einer Wand „anlehnen“, dann sollte entweder kein Spalt da sein, oder man schnitzt mit Absicht eine Rinne (in der Breite der Kleberkanüle), in die dann wandschlüssig der Kleber für das Deckmaterial kommt.

Apropos Deckmaterial: Aus Mangel an geeignetem und vorrätigem Streumaterial musste ich improvisieren. Ich suchte meinen Haushalt ab und fand: Pinsel mit hellen und dunklen feinen Borsten, einen alten Handfeger, faserigen Strick, Nähzwirn in verschiedenen Brauntönen. Daraus schnippelte ich mir eine Mischung und ergänzte sie mit Kaffeesatz, braunen Grasfasern von Musterbüscheln und dunklem Laub von Noch. Durch unterschiedliche Mischungszusammensetzungen unterscheiden sich die zwei Haufen in ihrem Zersetzungszustand.

Als Kleber und damit die Styrodurfarbe nicht durchschimmert, kam erst mal Holzleim gefärbt mit brauner Acrylfarbe drauf. Das aufgestreute und leicht angedrückte Deckmaterial wurde nach dem Antrocknen mit einer Schicht Vallejo Matt Varnish überzogen, damit die glänzenden Bestandteile dies nicht mehr tun. Dahinein kann man weiteres Material streuen, bis die Optik stimmig ist. Beim „jüngeren“ Haufen kamen dann noch frische Gartenabfälle oben auf, die ebenfalls wieder dick mit Matt Varnish bepinselt wurden. Überstehende Borsten wurden mit einer Nagelschere gestutzt. Wichtig ist, dass man noch Deckmaterial übrig hat. Denn wenn man, wie ich, erst jetzt die Haufen in ihren Mauerecken festklebt, dann müssen nun die Randbereiche/Spalte mit Kleber versehen und bestreut werden. Matt-Überzug nicht vergessen. Im Bereich der bereits weggeschaufelten Komposterde habe ich nur feinen Kaffeesatz aufgetragen und mit unterschiedlichen Brauntönen Erdschichten angedeutet.

Am Komposthaufen sollte „Leben“ in die Szenerie kommen, allerdings ohne zusätzliches Personal. Der Schrankenwärter musste ja für seine eigentliche Aufgabe das Gärtnern ständig unterbrechen. Und so sollte es nach einer Unterbrechung des Komposterde-Siebens aussehen.

Das Durchwurfsieb besteht aus einer sehr feine Gaze, die mir irgendwann mal in die Hände fiel und welche mein Modellbauer-Gehirn als möglicher Weise brauchbar und aufhebenswert erachtete. Die Gaze war mal ein halbdurchsichtiges Geschenkbeutelchen zum Zuziehen oben. Die Gaze eines alten Wäschetrockner-Flusensiebs könnte eventuell auch geeignet sein. Mit ganz wenig Rostfarbe (damit sich die Löcher nicht zusetzen) habe ich die Gaze gefärbt und einen Rahmen aus Strips drumherum gezimmert. Die Stütze ist aus dünnem Draht.

Eine einzelne filigrane und nicht nach Plastik ausschauende Grab- oder Spatenschaufel konnte ich bisher (*) bei keinem Hersteller entdecken. Also selber bauen. Für das Schaufelblatt verwendete ich wieder die etwas stärkere Alufolie, die mit Nagelschere und Cuttermesser in Form gebracht wurde. Am oberen nicht spitzen Ende entstanden durch seitliche Einschnitte zwei Flügel, die sich dann hinten um den Stiel aus dünnem Draht schlingen. Der Draht sollte noch etwas weiter hinter dem Blatt entlang gehen, damit man da den Tropfen Sekundenkleber platzieren kann und beim anschließenden „Dengeln“ des Blattes mit einem Zahnstocher die typische gewölbte Form entsteht. Der Stiel wurde nach einer Grundierung mit einer Mischung aus Vallejo Model Color Buff und Vallejo Game Color Plague Brown gestrichen, das Schaufelblatt mit Vallejo Air Rust. Etwas dunkelbrauner Dreck kann ruhig auch noch dran hängen.

(*) Preiser Neuheiten 2024 Set Feldgeschworene, da soll eine dabei sein, die ganz gut aussieht. Oder im Werkzeuge Bausatz H0 von Modellbau-Mechling.

Das Häufchen gesiebte Erde muss natürlich fein aussehen. In das Kleber-Farbe-Gemisch habe ich deshalb nur feinen Sand eingestreut. An der Außenseite des Durchwurfsiebs bleiben die groben Bestandteile des Komposts hängen und liegen.

Den festen Untergrund in der Mitte der Kompostierungsanlage wollte ich aus zwei Betonplatten bilden. Solcher Art Betonplatten wurden im Osten in großer Zahl zur Befestigung wichtiger Landwirtschaftswege verwendet und sind heute noch erhalten. Recherchen ergaben, dass es sie auch in kleiner Größe gab. Typisch sind vier Betonaussparungen, wo man Transporthaken in den herausschauenden Armierungsstahl einhaken konnte. Kurze Zeit später machte sich das Unkraut darin breit.

Als ich die typische Farbe für solche Betonplatten ermitteln wollte, fand ich mich schnell bei „Fifty Shades Of (Beton-)Grey“ wieder. Fotosuche im Internet, verschiedene Mischungen und Trägermaterialien probieren, Anhalten an Originale unter verschiedenen Licht- und Wetterbedingungen – den idealen Farbton zu finden, ist eigentlich unmöglich. Am Ende wendete ich auf einer einfachen Graupappe eine Mischung aus Weiß, Rot, Grün und Gelb an, wie hier beschrieben: https://forum.spurnull-magazin…etonfarbe-selber-mischen/

Die Beetumrandungen sind zum einen aus Holzbohlen (fotografisch belegt) und zu anderen aus rostigen Stahlblechen (wie im Garten der Schwiegereltern).

Für die Holzbohlen fiel mir die runde hölzerne Umrandung eines Büffelweichkäses (Cremoso REWE) in die Hände. Angefeuchtet kann man den Ring aufbiegen und platt pressen. Die Materialstärke fand ich passend und die Holzmaserung mit unterschiedlichen grau-braunen Tönen angemalt – auch die Stirnseiten haben im Original oft einen anderen Farbton – lässt das Ganze nach alten Holzbohlen aussehen. Abgestützt werden sie wie im Original mit Eisenstangen (dünner Draht, Büroklammer).

Bezüglich der Nachbildung von Erde und ihrer realistischen Farbe habe ich mir schon oft den Kopf zerbrochen. Hier benötigte ich nun feine Beeterde, die ich aus fein gemörsertem Kaffeesatz gründlich vermischt mit Heilerde (sehr fein und doch sehr hell) herstellte. Das Gemisch hat allerdings den Nachteil, dass ein selbst mit viel Spülmittel zugesetzter Schotterkleber abperlt und nicht einziehen will. Also habe ich Holzleim auf die Fläche gestrichen und die Erde drauf gestreut und etwas festgedrückt. Um auf das etwas erhöhte Beetniveau zu kommen, kam eine Pappe drunter, die sicherheitshalber mit Vallejo Game Color Earth (72.062) eingefärbt wurde.

Beim Trocknen und Zusammenziehen des Holzleims hat es allerdings die Holzbohlen auch etwas mit nach innen gezogen. Die könnte/sollte man während des Vorgangs nachjustieren.

Bei der Planung der Beetbepflanzung stellte sich die Frage, was in der dargestellten Epoche der Anlage – DDR in den 60er Jahren – so üblich war. Ich fand aber keine Antworten. Also ging ich kein „Risiko“ ein: Rhabarber von Noch, Zucchini, Weißkohl, Kopfsalat, Kohlrabi rot und grün, Blumenkohl und Kartoffeln von Busch, Steckrüben von Faller.

Vergleicht man die Modellpflanzen mit ihren Originalen, so ergibt sich meinem Empfinden nach doch einiger Nachbearbeitungsbedarf. Alles, was aus Kunststoff ist und unnatürlich glänzt, braucht eine oder mehrere Schichten Vallejo Matt Varnish. Einige Kohlrabis wurden mit kleinen Fädelperlen der Tochter „vergrößert“. Da die Blätter üblicher Weise rundherum aus der Knolle wachsen, wurden welche mit Sekundenkleber angebracht. Die zu einheitlich aussehenden Blumenkohlköpfe wurden mit Holzleim und Farbe variiert. Die Steckrüben wurden so angeschnitten, dass nur der obere und farblich korrigierte Teil der Knolle aus der Erde schaut. Dem Kraut der Kartoffelpflanzen wurde mit einem etwas helleren Grün die Eintönigkeit genommen.

Dass hier und da mal eine Pflanze fehlt, weil sie bereits geerntet wurde, klingt eigentlich logisch. Manche Modellgärtner vergessen das aber. Und mancher Betrachter weißt einen darauf hin, dass da schon oder noch was fehlt… . Zack – hat man ein Gesprächseinstieg zum Modell oder über unser schönes Hobby.

Der fachgerechte „Anbau“ der Kartoffeln erforderte einigen Aufwand. Die werden ja angehäufelt.

Erst habe ich einen großen Klecks Holzleim mit Vallejo Game Color Earth eingefärbt. Dann habe ich einen Teil davon mit einem Pinsel als kurzen Streifen auf die Beetfläche aufgetragen und anschließend mit meiner Erdmischung aus Kaffeesatz und Heilerde bestreut. Mit einem Zahnstocher drückte ich dann die Erde etwas in den Leim und gab dem „Erdwall“ die richtige Form. Ein zurechtgebogener und –geschnittener Alustreifen dient bei der folgenden Pflanzung als Stütze für die sonst umfallenden Stängel. Von dem Grünzeug habe ich immer drei Stück dicht beieinander in den Leim-Erde-Haufen gesteckt, damit die möglichst realistische Optik von Kartoffelpflanzen entsteht. Weil die Blätterrispen aber in alle Richtungen abstehen und ich die Stängel auch gestaucht bzw. gebogen habe, hat sich das gerne mal verhakt oder behindert. Hier ist also einiges an Geduld erforderlich. Und Zeit, denn jetzt muss der Leim trocknen.

Alte Hacken gibt es in ganz unterschiedlichen Formen. Die von mir ausgewählte dient in diesem Garten der Beseitigung von Unkraut rund um die Beete, was ja auch ein andauernder Prozess ist und gerne mal unterbrochen wird. Der erste Selbstbauversuch wurde im Vergleich zu einer Figur zu wuchtig. Also habe ich mir Maße eines ähnlichen Originals besorgt und etwas länger am Holzstiel aus einem Zahnstocher gefeilt. Dann passte es.

Ähnliches und weiteres Gartenwerkzeug ist im Werkzeuge-Bausatz von Modellbau-Mechling enthalten.

Das Eimerchen und die Schubkarre sind von Weinert.

Eigentlich wollte ich hinter der Zieglmauer eine Katze ins Gras legen, aber ich konnte keine ausfindig machen. Dafür fand ich einen schwarzen Vogel (Klingenhöfer Miniaturen), der jetzt nach Würmchen im Kompost Ausschau hält. Bei der Gelegenheit – meine Tochter liebt Regenwürmer – wurde ein solcher im Erdschnitt der Anlagenkante mit einem dünnen Draht nachgebildet.

Zwischen Kompost und Anlagenrand sollte es noch ein bisschen wuchern, aber so, dass nichts übersteht. Da ich sämtliche Gewächse mal an meine Modelleisenbahnfreunde abgegeben hatte, platzierte ich eine Bestellung bei Silhouette Modellbau, um mir einen Eindruck von deren Buschwerk zu machen. Am Ende reichten drei Zweige von einem Profiline-Busch. Drum herum sind Ranken (Efeu) und Gräser, die als Muster der Lieferung beilagen.

Ursprünglich hatte ich noch die Idee, hinter der Mauer das alte Läutewerk des Schrankenpostens in Schrottform darzustellen, aber der Platz dafür war nicht so richtig da. Na vielleicht lässt sich das bei einem anderen Kleinprojekt nachholen.

Die Stellprobe von Schrankenposten und Gartenland auf der Zielanlage war erfolgreich. Fest eingebaut wird es aber erst, wenn die großen Gleisbauarbeiten und Geländemodellierungen in diesem Bereich abgeschlossen sind.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Schrankenposten Bahnhof Wutha

Im Winder 2022/2023 war der Nachbau des Schrankenpostens vom Bahnhof Wutha im Maßstab 1:87 mein Modellbauprojekt.

Während meine jahrelangen Beschäftigung mit der Rühler Bimmel, die ihren Ausgangsbahnhof in Wutha an der Thüringischen Eisenbahn hatte, fiel mir ein Foto in die Hände, das den kleinen Schrankenposten am Bahnübergang neben dem Bahnhof in den 70er Jahren zeigt. Davor eine Gruppe von Eisenbahnern und anderen Schlipsträgern (ev. Parteibonzen), die Verschönerungsaktionen mit Blumenbeeten und mit (mit weiß bemalten Steinen ausgelegten) politischen Losungen besprechen. Seit dem geistert in meinem Kopf die Idee von einem Diorama mit diesem Motiv rum.

Zu Beginn der Indoor-Bastelzeit im Herbst 2022 fiel die Wahl auf das Objekt. Zum Einen wollte ich erst mal „klein“ anfangen, bevor ich mich an größere Objekte des Bahnhofes, wie z.B. das Stellwerk, heranwage. Zum anderen wollte ich das Modellbauen mit verschieden Materialien und Methoden ausprobieren, mit denen ich bei den wenigen bisherigen Hausmodellen noch nicht zu tun hatte.

Für den möglichst originalgetreuen Nachbau standen mir nur drei Fotos mit Nahaufnahmen und wenige Abbildungen aus großer Entfernung zur Verfügung. Keine Maße, keine Überreste, ca. 50% der Ansichtsflächen unbekannt und Zieldarstellung in Epoche III (60er-70er Jahre) – da war dann auch etwas Überlegung und Phantasie notwendig.

Das Ziegelsteingebäude ist ein Lasercut-Bausatz von MOEBO. Dieser wird dort als „preußischer Schrankenposten Baruth“ geführt und passt deshalb so gut, weil beide Objekte Vertreter eines mutmaßlichen preußischen Typenbaus sind. Die Anzahl der Ziegelsteinschichten, also die Höhe, die Gebäudetiefe und die Fenstergröße sind zwar im Modell etwas kleiner, aber das weiß ja keiner. Ups! Die Gesamtoptik hilft der Wiedererkennung.

Schon kurz nach den ersten zügig zusammengeleimten Bausatzteilen bremste ich mich selbst mit der verrückten Idee aus, auch die Inneneinrichtung eines solchen Postens nachzubilden. Mir war schon irgendwie klar, dass man später davon auf Grund der kleinen Fenster und trotz Innenbeleuchtung nicht viel sehen wird. Aber ich wollte mich einfach mal ausprobieren, was so in 1:87 alles geht. Und wenn man dann einmal angefangen und viele Ideen im Kopf hat,…. Ihr kennt das.

Für die Tapeten und den Fußboden habe ich geeignete Fotos oder Texturen im Internet gefunden und einigermaßen skaliert ausgedruckt. Auch der Akten- und der Flurschrank besteht aus Fotos von echten Objekten, mit Bildbearbeitung zusammengesetzt, ausgedruckt, gefaltet und auf kleine Styrodur-Quader geklebt. Mehrseitenansichten werden mitunter erstellt, wenn solche Sachen zum Verkauf angeboten werden.

Der Tisch steht auf Beinen aus Tackerklammern. Der Ofen besteht aus einem Stück Rundholz mit aufgesetzten Türen aus schwarzer Pappe und kleinen schwarzen Lederstreifen, die sich gerade vom Rand der Handyhülle ablösten.

Das Telefon ist ein Eigenbau aus einem zurechtgefeilten Holzkrümel. Die Wählscheibe und die Muscheln am Hörer sind mit der Lochzange ausgestanzt. Die Muscheln verbindet ein Evergreen-Streifen und die rundlichen Formen des Hörers entstanden durch Holzleimtropfen. In den 60er Jahren fingen die Telefone an, etwas farbenfroher zu werden. Als ich fertig war, entdeckte ich 3D-Drucke solcher alten Telefone in H0 im Internet.

Die Kaffeetasse ist aus dem weißen Mantel eines 1mm²-Drahtes.

Einzig den Stuhl-Eigenbau habe ich zum Glück erst gar nicht probiert.

Die Wechselschuhe musste eine Figur leider hergeben. Für die blaue Eisenbahnerjacke an der Hakenleiste habe ich etwas stärkere Alufolie (weiß nicht mehr woher, dürfte aber Aluminium-Dampfsperre sein) in der Form einer ausgebreiten Jacke ausgeschnitten und dann so in Falten gelegt, dass sie oben zum Haken hin spitz zuläuft. Wie so eine Jacke halt hängt. Für die Ärmel hab ich noch zwei Streifen ausgeschnitten und an den Schultern beginnend aufgeklebt. Die Ansätze haben dann der Primer und die Farbe überdeckt. (Solche Jacken am Haken kann man aber auch kaufen: Preiser 10658)

Ein Spiegel am Ausgang und das obligatorische Portrait des damaligen Staatsratsvorsitzenden Ulbricht runden das Bild ab. Die Innenseiten der Fenster hätte ich noch ausgestalten können, aber zu spät. Um ganz Neugierigen den Blick auf die gesamte Inneneinrichtung zu ermöglichen und die Decken-LED-Beleuchtung austauschbar zu machen, lässt sich die schmalere Dachseite abnehmen.

Das aufgesteckte Dachelement hält allerdings von sich aus nicht besonders gut. Deshalb „klammert“ sich ein winziger Neodym-Magnet, festgeklebt an der Dachinnenseite, an einer kleinen Metallschraube im Kaminschlot fest.

Als die Innenwand zwischen Flur und Dienstzimmer schon fest verklebt war und der Schlot (Styrodur mit weißer Acrylfarbe gestrichen und mit einem Bleistift gealtert) folgte, fiel mir auf, dass die Position des Schornsteins auf dem Dach im Original nicht zur Raumaufteilung im Modell passte. Da vom Original-Innenaufbau aber nichts bekannt ist und sich von der Schornstein-Position kaum sinnvolles ableiten ließ, beließ ich es bei der Modellversion. Dürfte niemandem auffallen.

Die dem Bausatz beliegende Dachpappe-Textur gefiel mir nicht und hätte wegen der Verlängerung des Daches eh nicht ausgereicht. Stattdessen überlappen sich (im Original ca. 1m breite) anthrazitfarbene Schleifpapierstreifen in der sehr feinen Körnung 800.

Die Längs- oder Querverlegung der Dachpappebahnen war noch mal ein kniffeliges Thema. Heutige Experten sind sich nicht einig und historische Beispiele gibt es in allen Varianten. Meine Theorie: Hat das Dach genügend Neigung, dann wurde der Einfachheit halber quer zur Dachneigung verlegt. Über die durch die Überlappung entstehende Wulst konnte das Regenwasser abfließen. War das Dach zu flach, dann konnten sich da Wasserlachen bilden – dann also Längsverlegung.

Die handels- und bausatz-typischen Dachrinnen aus Plastik sehen mir zu sehr nach selbigem aus und sind sehr dickwandig. Aber Versuche mit besagter Aluminiumfolie gefielen mir auch nicht. Also habe ich die Plastikdachrinnen mal mit einer entsprechend geformten Pfeilenspitze innen weiter „ausgehöhlt“ und mit zinkfarbener Acrylfarbe „unsauber“ angemalt. Das Ergebnis gefiel mir. Und nicht vergessen: Dachrinnen brauchen ein Gefälle, sonst läuft das Wasser nicht ab. Die Fallrohre sind aus farblich behandeltem grauem Klingeldraht – so kann man sie nach Belieben formen.

Die dachstützende Pergola habe ich aus Evergreen-Quadratleisten „zusammengezimmert“. Da ist es immer ein bisschen kniffelig, den passenden Querschnitt zu finden, damit die „Holzbalken“ nicht zu dünn, aber auch nicht zu wuchtig wirken. Hier habe ich 1,5 x 1,5mm für 12cm-Balken verwendet.

Vor der Tür liegt ein Trittgitter von „AM Modellbauideen“.

Die Eingangstür des Bausatzes entsprach optisch nicht der originalen Vier-Kassetten-Tür und hatte den gegenteiligen Anschlag und Öffnung nach innen. Maßstabsgetreue Ausdrucke einer solchen Türstruktur auf unterschiedlichen Papierstärken – ausgeschnitten und zusammengeklebt – und auf einer Seite die versuchsweise Anwendung von flachen Evergreen-Streifen (beides nahezu gleich aufwändig) erzeugen die Kassetten-Optik. Die Türklinken sind ein durchgeführter dünner Draht und Scharniere aus Aluminiumfolie (die etwas dickere) halten die Tür beweglich.

Für den Schuppenanbau habe ich erstmalig Auhagen-Platten verarbeitet. Das Schneiden der Holzstrukturplatten mit einem Bastelskalpell empfinde ich aber auf die Dauer sehr mühsam. Mit der elektrischen Laubsäge geht es schneller, aber die Schnittkanten müssen aufwändiger nachgearbeitet werden, da man meiner Erfahrung nach nicht so genau und gerade sägen kann.

Gegen die Plastik-Optik hilft wieder nur Farbe. „Glücklicher Weise“ habe ich aber die Grundierung vergessen und so rieben beim Zusammenbau meiner Finger wieder etwas Farbe runter, was aber zu einem guten Verwitterungseffekt führte.

Einen weiteren interessanten Effekt hatte ich beim Zusammenkleben der Wandelemente. Bei einem Stoß hatte ich die beiden Platten mehr als 45 Grad angeschliffen und ich dachte mir, da kann ich in die innen offene Fuge schön den Kunststoffkleber reinlaufen lassen. Nach dem Trocknen und Abnehmen der Hilfswinkel zog der Kleber aber die Platten trotzdem noch zusammen und sie standen nicht mehr im rechten Winkel zueinander. Also beim nächsten Mal ordentlich anfasen und sehr lange eingespannt trocknen lassen.

Das angebaute Klohäuschen, dessen Existenz im Original auf einer Fernaufnahme nur erahnt werden kann, besteht überwiegend aus einer MOEBO-Platte Präzisionsgravur in Echtholzoptik Stärke 0,45mm. Für die Holzbalken innen habe ich Nussbaumleiste 1,0 x 1,0 mm aus dem Architekturbedarf ausprobiert und für geeignet gefunden.

Eine Klopapierrolle darf natürlich nicht fehlen. Der erste misslungene Versuch war eine weiße Rolle, bis ich mich erinnerte, dass das Papier zu DDR-Zeiten grau (und rau) war.

Außenanlagen

Das MIFA-Rad des Schrankenwärters, die Wanne, der Eimer und die Schrankenhandkurbel sind von Weinert. Metallwasserfass und Mülltonne sind von Kotol. Türbeschläge, Außenglocke, Sh-2-Scheibe und F-Schild sind dagegen Eigenkreationen.

Für die Muschelkalkplatten vor den Schuppen habe ich folgendes ausprobiert: Draufsicht-Foto von Originalen skaliert zwei Mal ausgedruckt. Ein Mal die Steinplatten ausgeschnitten und mit Fugen auf den zweiten Ausdruck aufgeklebt. Die Fugen dann mit einer Mischung von Kaffeesatz (Erde) und feinem Blattwerk von Noch (Unkraut) gefüllt. Punktuelle Begrasung rundet das Bild ab.

Die weißen Ziegel vor dem Gebäude gab es da tatsächlich. Weiß getünchte Ziegel und Steine für Beeteinfassungen und ähnliches waren damals vermutlich ein Gestaltungshit.

Der Steinsockel des Gebäudes ist auch aus einer Auhagen-Platte geschnitten und wurde entsprechende des hier üblichen Materials mit den Farben des Muschelkalks bemalt.

Die Fotos, die Ihr hier seht, die einen natürlichen Hintergrund haben, sind so ziemlich genau an der Stelle entstanden, an der das Original stand.

Ach ja, das mit dem oben beschriebene Diorama wird erst mal nichts, da die Modellbahntruppe in Eisenach, die u.a. den Bahnhof Wutha nachbaut, Gefallen an dem Modell gefunden hat und es gerne auf ihrer Anlage platzieren würde. Da kann ich aber gut mit leben. Aktuell entsteht das Gartenland neben dem Posten, welches vom Schrankenwärter bewirtschaftet wurde.

Fahrstromanschluss

Für die sichere Versorgung der Gleise mit dem Fahrstrom gibt es verschiede Methoden, den Draht an die Schienen zu führen. In einem Forum las ich von der Variante, dies über die Gleisverbinder zu tun. Sie gefiel mir am besten.

Zuerst markierte ich die Mitte der Gleisverbinder an der Unterseite mit einem Folienstift. Hier soll das Kabel wegführen.

Dann habe ich ein Kabel meiner Wahl
– Querschnitt 2,5 mm² – 1,5² hätte vermutlich völlig gereicht
– rot für Plus in Uhrzeigersinn an linke Schiene – blau für Minus in Uhrzeigersinn an rechte Schiene
– Länge ca. 10 cm – unter der Platte werden sie mit Klemmen an die Versorgungsringleitungen angeschlossen
ca. 7 mm abisoliert, den abisolierten Teil 90° abgewinkelt, verdrillt und mit Lötzinn verzinnt. Auch die Gleisverbinder haben auf einer Hälfte der Unterseite Lötzinn abbekommen. Eine sogenannte dritte Hand ist bei der ganzen Aktion ungemein hilfreich.

Das Anlöten des Drahtes an den Gleisverbinder war dann recht einfach. Draht mit eine Zange halten (sonst wird es an den Fingerspitzen warm), einigermaßen rechtwinklich und an der Markierung ausrichten und Lötspitze drauf halten. Dabei darauf achten, dass das Lötzinn nicht zu viel aufträgt, sonst gibt es später Platzkonflikte mit dem Gleisunterbau.

Nach dem Abkühlen sollte man durch kräftiges Ziehen prüfen, ob die Lötverbindung auch hält.

Es gibt bzw. ich hatte Gleisverbinder, die sich von Material her nicht gut löten liesen. Vielleicht kann man da mit Aufrauen der Oberfläche und/oder höheren Löttemperaturen noch was machen.

Dann werden die Fahrstromanschlüsse auf die Schienenenden geschoben und der Draht durch das Loch in der Platte bzw. Gleistrasse geführt – oder in umgekehrter Reihenfolge – je nach dem, wie sich die Gleise noch bewegen lassen.

Das Ergebnis sieht dann so aus:

Hier noch ein Beispiel mit meinem Filzmatten-Unterbau:

Manchmal muss man die Anschlussdrähte seitlich wegführen, z.B. wenn sich unter dem Gleis ein Sparren befindet. Dann kann es hilfreich sein, die Kabel gleich seitlich gekippt auf die Gleisverbinder zu löten.

Nach dem Einschottern ist von den Fahrstromanschlüsse nichts mehr zu sehen, außer von unten:

Mini Gigant

„Kohlrabi – die Ananas des Ostens“ – so nannten wir in unserer Familie zu DDR-Zeiten das knackige Gemüse. (Ananas gab es ja kaum, nicht mal in Dosen.) Da wir es gerne aßen, baute es mein Vater in unserem Garten an. Somit war ja irgendwie klar, dass Kohlrabi auch auf dem Beet im Modellbahngarten wachsen muss.

Fertige Modellkohlrabis, die meinen Vorstellungen entsprachen, gab es bis zum Zeitpunkt des hier vorgestellten Eigenbaus nicht. Firma NOCH hatte nur die Kohlrabiblätter als Lasercut Minis. Seit neuestem bieten Sie ein komplettes Beet mit kunststoff-glänzenden grünen runden Dingern mit etwas Grün oben an, was man als Kohlrabi durchgehen lassen kann. Aber wie gesagt: Eigenbau war nötig.

Erleichternd kam hinzu, dass mein Vater vorweigend die Sorte „Gigant“ anbaute, was die Sache nicht ganz so piepselig werden ließ. So habe ich eine gute Erklärung für die auf den ersten Blick nicht maßstäblich erscheinenden Kohlrabikopfgrößen.

Für die Kohlrabiblätter befand ich das Grün der Rüben des NOCH Gemüsegarten-Sets (Art.-Nr. 14107) am vorbildgetreuesten. Und ich hatte es schon im Materialfundus. Man kann natürlich auch die NOCH Lasercut Minis „Kohlrabi“ (Art.-Nr.: 14106) dafür nehmen.

Für die Kohlrabiköpfe suchte ich erst etwas, was schon rund ist, z.B. Perlen oder Stecknadelköpfe. Aber diese hatten entweder nicht den richtigen Durchmesser und/oder waren zu gleichmäßig rund und groß. So ein Kopf hat ja doch ein paar Ausbeulungen oder ist etwas gestreckt. Da kam mir die Idee mit den Alufolienkügelchen und der dick aufgetragenen Acrylfarbe, die sich als geeignet erwies.

Material:
– Küchen-Alufolie
– Acrylfarben Weiß und Grün oder Weiß und Violett/Lila
– Kohlrabiblätter aus einem Lasercut-Mini-Set
– Sekundenkleber

Werkzeug:
– Nagelschere oder Bastelmesser
– Pinzette
– Pinsel spitz
– Stecknadeln
– Styropor- oder Styrodur-Klotz

Ausgangsmaterial

Zuerst ein kleines Stück Alufolie abreisen und zu einer Kugel zusammendrücken und formen (nicht rollen). Dabei ordentlich Kraft anwenden. Man benötigt eventuell mehrere Versuche, bis die gewünschte Größe (3 bis 5 mm) erreicht ist. Richtig gleichmäßig rund muss das Kügelchen nicht sein.

Von den Lasercut-Mini-Bögen schneidet man etliche einzelne Blätter ab. Bleiben an den Blattstiel-Enden kleine Füße dran, macht das nichts. Im Original ist der Blattstielansatz auch breiter.

Kleine Vertiefungen und Spalten in der Kugeloberfläche werden jetzt mit Farbe gefüllt. Dazu die Kullern auf eine Stecknadel aufspießen. Die Farbmischung muss deutlich mehr Weiß als Grün oder Violett/Lila enthalten. Mit Hilfe von Kohlrabi-Fotos oder der eigenen Vorstellung dürfte es nicht schwer sein, einen passenden Farbton zu mischen. Die Farbe wird dann auf allen Seiten dick aufgetragen, aber sie sollte natürlich nicht tropfen.

Jetzt hat man zwei Varianten zur Auswahl: Entweder man pappt die Blätter in die frische Farbe – oder man wartet, bis die Farbe trocken ist, und klebt sie dann mit Sekundenkleber fest. Beides habe ich erfolgreich angewendet.

Die Blätter ordnet man seitlich und nach oben hin ringförmig, aber auch nicht zu gleichmäßig an. Die Abbildung oben verdeutlicht das – hoffe ich. Zum Trocknen drückt bzw. klemmt man die Stecknadel in die Kante eines Styropor- oder Styrodur-Klotzes.

Nach dem Durchtrocknen dreht man die Kugeln vorsichtig von den Stecknadeln und pflanzt sie auf ein Beet.

Auf der Kaffeesatz-Erde gedeihen sie wirklich gut.
Viel Spaß bei der Kohlrabiernte!

Gewächshaus

Ein Folientunnel-Gewächshaus stand früher für einige Jahre im Kleingarten meiner Eltern und versorgte uns mal mehr mal weniger gut mit Gurken und Tomate.
Nun soll es als Erinnerungsmodell im geplanten Kleingarten auf der linken vorderen Ecke der Anlage wiederauferstehen.

Material:
– Büroklammern, ca. 9 Stück, kleine Exemplare, sonst ist der Draht im Modell zu dick, alternativ: Kupferdraht versilbert 0,8 mm Durchmesser
– Lötzinn und Lötfett
– matt-durchsichtige Folie, ich fand ein ungeknittertes Stück strapazierfähiger Bau- und Malerabdeckplane
– Sekundenkleber

Werkzeug:
– Feinmechaniker-Flachzange, kaum geriffelt
– watenfreier Seitenschneider
– ein rundes Gefäß mit etwas kleinerem Durchmesser, als das Gewächshaus haben soll
– Lötkolben
– Folienstift
– Schere und Nagelschere
– Holzspieß
– dritte Hand

Zuerst habe ich die Büroklammern mit der Flachzange absolut gerade gebogen oder besser gerade gepresst, indem ich alle Biegungen sowohl quer als auch längs in die Zange nahm.
Die Grundfläche besteht aus zwei scharf rechtwinklig gebogenen Drähten. Die Fläche meines Exemplars beträgt 37 x 50 mm. In Natura wären das ca. 3,20 m mal 4,35 m. Das Vorbild im elterlichen Garten war wohl ca. 3m mal 3m, aber die quadratische Form fand ich dann doch eher Gewächshaus-untypisch. Die Maße kann man ja an seine Gegebenheiten anpassen.
Die drei Bögen, die dem Gewächshaus die Tunnelform geben, habe ich mit Hilfe eines kleinen Arzneifläschchens, welches einen ein paar Millimeter geringeren Durchmesser hatte, als mein Gewächshaus haben soll, rundgebogen. Der gebogene Draht federt ja wieder etwas auf. Trotzdem wird man um die Nachkorrektur mit der Flach- oder Spitzzange nicht umhin kommen, da sich die aufgebogenen Stellen der Büroklammern leichter wieder krümmen.
Sind die Halbkreisbögen dann auch als solche zu erkennen, geht es an das Kürzen der Drahtenden. Ein Modellbahnmännchen sollte mindestens bequem aufrecht im Gewächshaus stehen können. Mein Folientunnel ist 27 mm hoch, also 2,35 m – da haben die Pflänzchen genug Platz zum Wachsen. Alle drei Bögen sind nun auf einheitliche Form und Maß zu bringen.

Nun geht es ans Löten. Erst das Grund-Rechteck, dann den mittleren Bogen. Die Mitte am besten mit dem Folienstift markieren. Bei elektronischen Schaltungen verpönt, hier dringend erforderlich: Lötfett. Sonst nimmt das Metall der Büroklammer die winzigen Kleckse Lötzinn nicht an und alles fällt bei geringster Belastung wieder auseinander.
Bis die Bögen senkrecht auf der Grundform stehen, können u.U. mehrere Versuche notwendig sein.
Dann die äußeren Bögen, und hier zuerst an den ungelöteten Ecken des Grund-Rechtecks. Denn jetzt kommt die möglicher Weise schwierigste Stelle, da wo drei Einzeldrähte aufeinander treffen. Nur Mut, ein ruhiges Händchen und einen kleinen Schlitzschraubendreher zum Zurechtrücken der Drahtenden.

Weiter geht es mit den Längsstreben – der einen oben und den zweien auf halber Höhe. Diese habe ich erst jetzt auf Länge gekürzt. Sie sollten natürlich nicht überstehen. Mit etwas Lötfett an den Enden lassen sie sich gut ausrichten, denn sie haften so auf den Bögen. Mit dem Schlitzschraubendreher in der Mitte leicht angedrückt, sollten sie beim Löten nicht verrutschen.

Jetzt kommen noch die Türrahmenstreben an die Reihe. Die zwei senkrechten habe ich außen aufgelegt, die Querstrebe wieder innen. Wenn ich nochmal ein solches Gewächshaus baue, dann versuche ich die Streben zwischen die äußere Begrenzung zu setzten, damit die Stirnseite plan wird und sich die Folie glatter auflegen lässt. Dazu würde ich die Konstruktion mit der Türstirnseite auf eine hitzebeständige Unterlage legen und sozusagen von innen löten. Aber so geht es auch.

Wenn übrigens was nicht ganz gerade oder winklig zueinander ist, macht das nichts. In Natura sind diese Stahlrohrgewächshäuser auch immer etwas krumm und schief – spätestens nach dem ersten Sturm.
Viel wichtiger ist, bevor der Lötkolben erkaltet, bei zu dick geratenen Lötpunkten wieder etwas Lötzinn wegzuziehen. Im Extremfall kann man auch mal mit dem Seitenschneider versuchen, was wegzuknipsen. Und wenn sich dabei doch wieder eine Strebe lösen sollte, heißt es, geduldig nachlöten.

Jetzt fehlt noch die Folie. Zu klar durchsichtig sollte sie nicht sein und auch nicht zu dünn und möglichst wenig geknittert. Ich habe lange gesucht, bis ich eine strapazierfähige Malerabdeckplane entdeckte, mit der ich eine Kellertür für eben Malerarbeiten abgeklebt hatte. So dünne Leichtfolien für Malerarbeiten oder auch Frühstückstüten gehen nicht. Eher Gefrierbeutel oder ähnliches.
Die drei Folienstücke habe ich nur grob zugeschnitten. Der Feinschnitt erfolgte mit einer Nagelschere nach dem Kleben.

Meine ersten zwei Klebeversuche gingen schief. Sowohl beim lösungsmittelfreien Vielzweckkleber als auch beim lösungsmittelhaltigen Alleskleber (beide sollen angeblich Metall und etliche Kunststoffe kleben können) hielt die Folie einfach nicht. Erschwert wird das ganze natürlich durch die winzigen Klebepunkte auf den Lötstellen und die dünnen Kleberfäden auf den Streben – man will ja den Kleber hinterher nicht wirklich sehen.
Erst mit Sekundenkleber hatte ich Erfolg. Da der aber fast wie Wasser ist, muss man noch dosierter auftragen. Überschüssiges bitte bloß nicht mit den Fingern wegwischen – ist Teufelszeug.

Nachdem die Stirnseiten hielten, habe ich die überstehende Folie mit einer Nagelschere abgeschnitten.
Die große Tunnelfolie habe ich in zwei Etappen festgeklebt. Erst auf und in dem Bereich der oberen Längsstrebe und den zweien auf halber Höhe, dann links und rechts bis zu den Bodenstreben. Nach dem geduldigen Trocknen habe ich auch hier die überstehende Folie abgeschnitten, aber so, dass keine Lücken zwischen den Folienstücken entstehen.

Anstatt einer ebenfalls aus einer Büroklammer gebogenen und mit Folie bespannten Tür habe ich mich dann doch für das nach oben Aufrollen der Türfolie entschieden. So kann man besser in das Gewächshaus hineinsehen, ob die Tomaten schon reif und die Gurken schon groß genug für eine Ernte sind.
Die Pflänzchen sind schon bestellt, aber es wird noch etwas dauern, bis sie im Folientunnel-Gewächshaus des Modellbahn-Kleingartens treiben können.

von der Teppichbahn bis zum Anlagentisch

Die Entwicklung von der Teppichbahn bis zum richtigen Anlagentisch liegt zwar schon etwas zurück, aber ich möchte sie hier mal mit Fotos (zum Vergrößern anklicken) darstellen.

Das Starterset war ja schnell zusammengebaut, aber auf Grund des weichen Untergrunds hatte der Stromanschluss immer wieder Kontaktprobleme. Und das Interesse am nur im Kreis fahren war natürlich schnell aufgebraucht. Dann kam aber erst mal der Sommer und die Gedankenpläne konnten reifen.

Schnell war klar, es musste was Stabiles her. Zuerst wurde der zur Verfügung stehende Platz in Juniors Zimmer ermittelt.  1,10 Meter mal 2,10 Meter war das Maximum. Erste Entwürf im Anlagenplanungsprogramm SCARM ergaben, dass da was geht. Eventuell könnte man später durch Rückbau des Hochbetts noch eine Anschlussstrecke unter der Dachschräge entlangführen.

Dass es eine Grundplatte werden wird und keine in Spantenbauweise „freischwebenden“ Bahntrassen, wurde irgendwie nie überdacht, vermutlich aus Gewohnheit und dem Wunsch, relativ schnell einen Fahrbetrieb auf die Beine zu stellen. Schließlich sind wir ja Anfänger. Und in die dritte Dimension könnte man dann auch noch gehen, z.B. mit einer Nebenstrecke in die Berge.

Auf Beine gestellt werden musste die Platte natürlich auch, und zwar auf rollende, dass man die Anlage bewegen konnte, um überall dran zu kommen. Und auf abnehmbare Beine, damit man sie bei Bedarf bzw. dauerhaftem Desinteresse demontieren und im Keller lagern kann. Das Steuer- und Schaltpult sollten aus Platzmangel ausziehbar sein.
In Summe also eine Herausforderung in Holz – gut, dass man sich reichlich Anregungen in Foren und Videos holen kann.

     

Die erste Testfahrt mit kleinen Zuschauern zeigt, dass auch die Grundplattenhöhe von 68 cm für eine kindergerechte Modellbahn gut gewählt war.

Nach Anschaffung weiteren Gleismaterials konnte die Gleisplanentwürfe grob nachgestellt werden.

erstes Mauerwerk

Nun haben der Junior und ich uns so viele Anleitungs-Video’s eines Schwedischen Modelleisenbahners angesehen, in denen unter anderem Mauern und Felsen erstellt und bemalt wurden, dass es Zeit wurde für ein erstes kleines Mauerexperiment.

An einer Stelle entstand durch Geländeformung eine so steile Böschung zu den Gleisen hin, dass diese wie in der Wirklichkeit auch durch eine Mauer abgefangen werden musste. Später, wenn die Berg/Berk-Ebene mal entsteht, dann wird sich hier vermutlich noch einiges ändern, aber bis dahin wollte ich die Stelle nicht unbearbeitet lassen.

Ein Styrodur-Rest mit 5 mm Stärke, an dem ein erster Mauer-Ritz-Versuch unternommen wurde, wurde glatt für gut befunden und das Gelände daran angepasst. Für die Mauerkrone, die ja meist aus Stein- oder Betonplatten besteht, kam mangels Graupappe mal wieder ein Bierdeckel zu neuen Ehren.

Das Ritzen wurde hier mit einem Cuttermesser ausgeführt. Andere drücken auch gerne mit Metallstreifen oder Bleistiften die Fugen. Dann werden aber die Steinkanten womöglich noch runder.

Da Wassermalfarbe hier nun nicht mehr geeignet ist, wurde kurzer Hand ein Set Acrylfarbe für den Modellbau (Vallejo 071191 – Farbset, Eisenbahn-Farben) und passende Pinsel bestellt.

Dann ging es los, wie in den Anleitungen gezeigt, allerdings etwas vereinfacht: grauer Grundanstrich, dann Schwarz stark verdünnt für die Tiefenwirkung der Fugen und zuletzt „trockenes“ Weiß für Struktur auf den Flächen.

Die Bierdeckelstückchen drohten wegen der Farbe an den Rändern etwas aufzuquellen. Da darf die Farbe nicht zu feucht sein.
Und die Trocknungsphasen zwischen den Anstrichen erfordern etwas Geduld.

Eingebaut zaubert die Mauer ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht.